Kopfherzmensch

Stille. Ein Schweigen mehr als Worte.

Fragen rummel.

Erst einmal Danke an Konrad Kutsche für die Nominierung für die Fragen und das Interesse. 


Woran arbeite ich gerade?

Ich arbeite eigentlich an nichts konkretem, da meine Texte größtenteils sehr impulsiv aus einer lethargischen und deprimierten Stimmung heraus sehr spontan und unkontrolliert geschehen.

Eigentlich arbeite ich weiter an einem zielführenderem Schreibstil, sodass meine Texte weiterhin komplex, hingegen aber wesentlich leserlicher daher kommen. Und natürlich schwebt im Kopf etwas größeres. Ein Buch oder so. Am besten mit wenig Seiten. Aber darauf will ich noch etwas warten. Vielleicht ewig. 

Ansonsten ist da nicht viel. Momentan versuche ich wieder mehr zu lesen, um ein wenig zu verstehen wie Schreiben bzw. das Erzählen einer Geschichte funktioniert. 

Worin unterscheidet sich meine Arbeit von der anderer Künstlern der gleichen Gattung?

Ich weiß es nicht. Ich lese sehr selten andere Autoren. Vielleicht gibt es ja meist keinen Unterschied. Wir umgeben uns ja meist mit Dingen, die uns ähnlich sind, da diese uns nicht aus unserem ‘Schlaf’ aufwühlen. Und sicher ist es ähnlich mit Autoren. Lese ich durch Kafka, Bukowski, und weiterem, so sind es mir verwandte Welten. Verwandte Gefühle. Ich lese eben, was mich anspricht und dann ist da kein Unterschied, sondern das Verständnis, dass ich für mich selbst suche. Zu verstehen, wer ich bin, indem jemand anderes es mir vor Augen führt. Kann ich mich mit etwas nicht identifizieren, dann verliere ich schnell das Interesse. Und manchmal will ich den Dreck, die ewige Frage, das Leid, die Enttäuschung, weil es mir Bekannte sind und ich sie verstehen lernen möchte. 

Wodurch ist mein kreatives Schaffen veranlasst/angetrieben? Warum arbeite ich so, wie ich eben arbeite? Wie arbeite ich/wie verläuft bei mir der Schaffensprozess?

Anlass ist für mich immer mein eigenes Leben und alles, was sich, tief verborgen in meiner Seele, kurz einmal an die frische Luft wagt und dann kotzen muss. Letzthin sehe ich das Schreiben als Fortschreiten einer eigenen Therapie, um manches Gefühl zu einem leserlichem Wort zu verpacken, um es dann in einen unverständlichen Satz zu quetschen.
Meist sind es gewisse Phasen. Tiefe und dunkle Phasen, die mich wie ewige Wellen in meinem Leben begleiten. Daher auch die extreme Unregelmäßigkeit meines Schreibens bzw. Schaffens. 

Das ist auch der Grund, weshalb viele Texte eher Lebens-Verneinend wirken, obwohl ich innerlich das Leben absolut lohnens- und lebenswert finde. Mir ist es wichtig durch einem ehrlichen Kern, einer Art Kanal, zu mir selbst zu finden. Wenn ich schreibe, vergesse ich und tauche in irgendetwas ein. Irgendetwas, dass mir eine Freiheit offenbart, die ich in dieser Welt selten finde. Es ist wie Meditation. Ich bin nicht da. Irgendetwas schreibt, das aussieht, riecht und schmatzt wie ich. Und doch bin ich ganz woanders. Inmitten der Zeilen. Wie ein Wahn, der meinen Verstand umnebelt und den Irrsinn in mir befreit, der irgendwo in mir versteckt blieb. 

Weswegen ich, zur letzten Frage kommend, meist nicht nüchtern meine Texte schreibe. Daher auch die unverständlichen Sätze, Schreibfehler. Die grammatikalischen Fehler bezeichne ich mittlerweile als künstlerische Freiheit. Jedes Komma sitzt da, wo der Leser eine kurze Pause machen soll, wo ich ihn an die nächste Klippe bringen möchte. Zu einem sehr hohem Prozentsatz entstehen die Texte spontan. Aus einer Laune, einem Gefühl heraus und werden entsprechend unüberlegt in einem Zug hinunter geschrieben. Mal habe ich ein Bild im Kopf, mal versuche ich das Gefühl zu einem Bild, einem sprechendem Bild zu formen. 

Dennoch ist es keine feste Intention von mir, mich sinnlos in einen Rausch zu bekommen. Es ist ein wollen, ein “das will ich jetzt, für mich, für niemanden sonst, damit ich schreibe”. Mein Schaffensprozess ist ein freies Entstehen lassen, ohne die Zügel zu sehr aus den Händen zu geben und am nächsten Tag zu sehen, was entstanden ist. Um darauf wieder neu aufzubauen, oder abzureißen. 

Ich möchte nunmehr folgende Zwei für die Fragen auswählen:

http://wortbeben.tumblr.com/

und meine weiterhin liebste Schreiberin

http://theseasonforpeaches.tumblr.com/

Weil ich nicht weiß, wie ich hier verlinke, dass sie es mitbekommen, schreib ich euch gerade eine Post. :)

Ueberdruss

Irgendwo im Strom des plätschernden Gewässers des Lebens schwamm ich mit den Anderen eine Weile mit. Und ich schämte mich nicht zuzugeben, dass ich während dessen in das Wasser gepisst hatte. Ich bin mir meiner selbst nicht mehr schuldig. Wie das neue Deutschland, mit all seinen Fahnen, die nach der WM wieder schleunig und hastig unter irgendein Bett geschert wurden. Vorbei der Trubel und die Freude. Nur nach Pisse roch es noch in den üblichen Ecken. In den üblichen Windungen der Köpfe irgendwelcher anderer. Es roch und stank und ich hielt mir die Nase schon lange nicht mehr zu. Durch den Dreck. Immer durch und nur durch. Pressen, die letzten Fasern an Muskeln am schwindendem Fleisch anstrengend und einfach nur noch irgendwie durchkommen. 

Als ich Jung war träumte ich vom Abenteuer Leben. Heute ist Abenteuer Leben irgendeine Sendung, dass den verkalkten Leitungen des Fernsehens zu den Menschen kriecht, die das Abenteuer Leben gespürt hatten. Wollten sie doch alle etwas großes. Wie kleine Kinder rochen sie bereits das Salz der kleinen Wellen am Strand. Doch das Auto fuhr weiter. Irgendwohin. Nicht wissend, wann es vorbei sein würde und sich abgebend, dass einem der Arsch vom sitzen schmerzt und generell das Radio bereits zum fünften Mal das selbe Lied spielte. Die Nachrichten nur ein Brei aus Wiederholungen geblieben war. Immer war es Krieg, immer gab es irgendwas etwas zu gewinnen, damit Zuhörer nicht wegschalteten. Das Abenteuer Leben, gestückelt in Werbung und schlechter Pop-Garnitur. Die gar nicht mehr vorgaukeln wollte, irgendetwas zu bedeuten. Irgendein Lebensgefühl sein zu wollen. Es war generiert. Es war geplant nach etwas zu klingen und generierte das gleichbleibende, leer gefegte Lebensgefühl. 

Eindeutig schien nicht, dass ich im falschen Jahrhundert geboren und in das noch falschere Jahrtausend geschlittert war. Sicher hatte sich vieles verändert. Für viele Gruppierungen von Menschen wurde das Leben in bestimmten Kreisen dieser Welt einfacher. Für andere waren es immer noch zerstörte Häuser und ein Leben in ewiger Armut. Aufstehen und bloß nicht heute verhungern. Manch einem Menschen will man den Selbsterhaltungstrieb nur noch ausreden. Aber dafür ist man mit seinem Eigenem zu sehr beschäftigt. Fressen, ficken, lieben verlernen. Es gibt vieles zu tun, um zu degenieren. Und immer konsumieren. E es ist immer noch so leicht, in andere Leben zu blicken, um zu erkennen was schief läuft. Bloß nicht den Blick zu sich selbst. Das ist hässlich, da ist es nicht spannend, da wartet die Leere auf einen. 

Und wir tingeln nur so unwissend und zu viel wollend durch die Weltgeschichte. Blicken zu den Anderen und merken nicht, dass wir nur blicken sollten, ob auch jeder genug hat. Vom Leben. Wahrscheinlichkeitshalber. Suchen ständig irgendetwas. Das große Glück im Haufen Unglück. Und verstehen nichts. Lesen die Zeichen, aber werten sie beständig falsch aus. Diese Welt dreht sich, doch merk ich davon gar nichts mehr. Ich sehe Raketen auf Kindergärten und es berührt mich nicht, denn ich verstehe nicht mehr, wieso. Und alles ist weit weg. Die Wellen des Meeres, nur Erinnerung. Die Toten irgendwo anders, nur Internet, nur Fernsehen. Das Bewusstsein über den Zyklus des Lebens und Sterbens ist eine eigenständige Philosophie, die jeder versteht, der es sich nur lang genug ansieht und genug hat. Fernseh aus, Internet an. 

Und heute. Zwischen Flirt-Apps und Ratgebern gefangen. Auch hier das Drängen nach mehr. Und sofort. Die Liebe auf Instant. Immer freischaltbar. Abrufbar. Egal, was der andere Mensch ist, solang er meinen Konsumwunsch nach Nähe und Liebe stillt und dann, wenn die Verpackung leer ist, Wegwerfgesellschaft mitspielen. Ein Teil vieler werden. Die Monogamie und Schwanenwunsch nach der Einen ein Symptom des zu viel gewordenen. Zu schnellem. Alles auf einmal, aber davon nichts begriffen haben. Wir Menschen werden immer zu viele. Und nichts verbindet sich. Alles blieb fern von mir. Und nun weiß ich, was es heißt zu altern. Die Träume, Enttäuschung. Wünsche. Hirngespinste. Den Wunsch, die Welt zum Guten zu bekehren, Sache der Industrieinteressen. Generation Nichtslos. Nichtsnutz. Nichtsmuss, aber alles kann. Wenn es nur würde. Wenn es nur endlich mal würde. Sich entwickeln. Wenn doch alles nur ein böser Traum war. Eine dunkle Vision, die nur in den Sphären der Geister und Spuckgespenster bleiben würde. 

Wenn es ein erwachen gibt. Eine Stimme, die gerufen hat und wir sitzen wach in einem fremden Bett, in einer fremden Wohnung und jemand Fremdes hat das Frühstück gemacht. Alles ist fremd. Weil es das ist, was es immer war. Haben es nur nicht gesehen. Weg geblickt. Weil wir uns selbst nicht darin sehen wollten. Nur fremd und alles ist immer neu. Immer da. Und kennen es gar nicht. Sind da eben so reingerutscht und dabei irgendetwas geworden, weil es keine klare Entscheidung gab. Wie auch, wenn es keine Richtlinien gibt? Wenn Facebook sagt, was ihm gehört und was noch nicht, wir uns zwischen den Schlägern und Machern unterordnen und zusehen, wie sie die Welt zerfleischen und wir fleißig dabei sind, mitzuhelfen. Für ein Lob, ein Tadel. Irgendetwas, das sich nach irgendwas anfühlt. Hauptsache es fühlt sich mal wieder irgendwie an. Die neue Nummer aus dem Club, das kleine unsägliche Abenteuer, das flirten mit dem Fremden, aber nie konkret werden. Nie wollen, nur haben. Den Moment. Den man wegsperren kann im Kopf und rausholt, wenn wir wieder nichts verstehen. Der uns tröstet, weil er so perfekt darin blieb, nur ein Moment zu bleiben. Nie war er Enttäuschung gewesen, weil wir nie diesen Schritt gegangen sind. Den einen, weiteren Schritt um den Traum gegen Realität einzulösen. Ob die Nummer auch eine wirkliche Nummer war. Der Flirt vielleicht der Mensch für’s Leben. 

Aber Unwissenheit umspinnt unsere kleinen Gedanken und wir wollen nur wissen, was wir kennen. Tote und den Wunsch nach mehr. Aber alles dahinter brauchen wir nicht. Wird Ballast. wird zu viel des Guten, weil wir zu wenig Böse hätten. Dann wären wir unausgeglichen und müssten zum Arzt Tabletten holen. Die gut machen, was nicht gut genug war. ADHS, ein Traum für die Pharma. Erleuchtung für die Massen. Alles raus geworfen, wie Kamelle an Karneval. Betäubt uns, weil wir Angst haben, wieder etwas zu fühlen, wenn wir alle Programme und Apps schließen. Wenn der Fernseher nicht mehr läuft. Kein Geräusch mehr durch die Wände drängt, die uns stören im gestört sein. Und ich blicke nie wieder auf mein Handy, weil ich die Nummer gefragt habe, ob sie Zeit hat. Will es nicht wissen. Es war zu viel und zerstört die Erinnerung, die doch so perfekt war. Wäre doch jeder Tag betrunken und leicht verliebt, ich gäbe mir die Kugel mit einem Lächeln. Keine Reue. Alles stirbt und zerteilt sich. Egal wie das Leben war. Es geht alles in die Erde. Mal ganz, mal völlig zermatscht. Gefangen im Wachstum der Geschwüre einer Welt, die erstickt. Von, weil zu viel, weil dem Menschen bald überdrüssig. Irgendwann wird nichts mehr sein, außer hitzebeständige Bakterien in kleinen Schwefeltümpeln, wo einst mal ein wunderschöner See gewesen war und es tut mir für uns nicht einmal Leid. 

Jacks Wut

Als durch das angeklappte Fenster, das seit meinem Einzug keinerlei Pflege durch Putzlappen und Wasser widerfuhr, das dumpfe Gegröle von einheimischen Fußball-Fans drang, da drehte sich wieder das Rad in meinem Kopf. Was war das eigentlich für eine Spezies da draußen? Diese Mitte-Zwanziger Spülgesichter. Nichts aussagende Torfköpfe, aus deren Gesichtskonturen sich nicht mehr als pure Stumpfheit heraus lesen ließ. Es gab keine uninteressantere Gesichtsgruppe, als Fußball-Fans. Ich meine diese blockschwarzen Leute. Mir war bereits Fad der Einsamkeit. Und doch kam ich niemals auf den Gedanken, mich irgendeinen Verein anzuschließen. Oder irgendwelchen stumpfsinnigen Gruppierungen. Selbst die Angehörigen und Familien von Alkoholikern waren für mich befremdlich gewesen. Wie sie da saßen und ihre saufenden Eltern abgrundtief zu hassen schienen. Und dann sah ich ihnen durch ihre hohlen Köpfe und erkannte zu schnell, dass sie eigentlich nichts mehr wollten, als von ihren versoffenen Eltern in den Arm genommen zu werden. Die Erwartung, dass diese ihnen ihre verdorbene und verprügelte Kindheit gegen etwas austauschten, das ganz war. Etwas, worüber sie in der Grundschule angeben konnten. Das sie im Urlaub waren, dass Papa ihnen versprochen hatte, wenn sie nicht bis 18 rauchen würden, sie den Führerschein so tief in den Arsch geschoben bekommen würden, dass sie an ihrer antrainierten Überheblichkeit erbrechen mussten. 

Und dann jammerten sie und verblieben in selbstmitleidiger Stille im geschlossenen Stuhlkreis und jeder war froh, dass seine eigene Geschichte nicht so herbe verlief. Das Papa nur schlug, und nicht doch noch am Ende die Hose runter ließ. Beschissene Kindheit, denkt man sich da manchmal. Und dann saßen sie da zusammen. In ihren Kirchen oder Jugendzentren und erzählten einmal in der Woche ein Stück mehr von ihrer verkorksten Kindheit. Das Einzige, was sie interessant erschienen ließ waren genau jene, die sie so sehr verachteten. Ihre fehlgeleiteten und abgestürzten Eltern. Dabei haben doch genau die das perfekte Leben vorgeführt. Sie haben von vornherein aufgezeigt, dass das Leben eine reine Enttäuschung ist. Dass das Leben kein Ort voller Abenteuer und Aufregung sein wird. Sondern das man froh sein konnte, wenn Manfred Mama nicht gleich ins Krankenhaus schlug und es einen Monat nur dumpfe Suppe und ungeschmierte Brote gab. Also dann doch nur mit dem Gürtel, weil die Gelenke von Manni’s Hand mittlerweile zu zerfressen waren von der schlechten Durchblutung.

Sie waren hier. Die Paar, die es brauchten, sich auszulassen. Aus Enttäuschung. Wegen der ausgebliebenen Zuneigung und dem innerlich zerreißendem Desinteresse der Eltern. All das spitzte sich in diesem Kreis, aus förmlich leeren Stühlen, zum Höhepunkt zu. Endlich fallen lassen. Endlich irgendwo verstanden werden. Endlich nicht mehr fremden betrunken im Club ins Ohr brüllen, wie sehr sie sie an ihren Vater erinnern. Und ich dachte nur daran, ob beim nächsten Treffen irgendeine geile Ische dabei sein würde, derer tiefgreifende Komplexe ich ausnutzen konnte. Ich hatte ein Faible für schwache Frauen entwickelt. Ich wusste das und es kotzte mich an. Aber es schien die einzige Chance zu sein, ummein Selbstmitleid, geprägt und herangezogen von der ausgebliebenen Nähe meiner Eltern für eine kurze Zeit in den Armen irgendeiner zerstörten Jugendseele baumeln zu lassen. Und ich dabei feige blieb. Hier sitzen blieb und mir Gedanken darüber machte, ob irgendeine Marla Singer irgendwann auftauchen würde. Zwischen all dem Elend. Und wir würden uns in den Tränen der geschlagenen und vergewaltigten suhlen. Wie sie da saßen und erzählten. Und unsere Zungen würden derweil versuchen, uns gegenseitig zu ersticken. Sie begannen beim erzählen zu schluchzen und zu weinen, als ich Marla unter ihrem, von Rüschen verziertem Oberteil an ihren Titten herum massierte. Dann brachen sie vom weinen und flehen verkrampft zusammen. Arme renkten sich um ihre dürren Schultern und mir ging einer ab, als Marlas Hand endlich unter meiner Hose verschwand. 

Lautes Sirenengeheul drang nun durch das ungemachte Fenster. Wahrscheinlich war der Block endlich stehen geblieben. Von ihren eigenen Fahnen aus Alkohol umgekippt oder ließen andere Menschen durch bitter schmerzende Fausthiebe umkippen. Ich war auch mal Teil einer degenerierten und besoffenen Jugend. War fahnenflüchtig meiner eigenen Gefühle willen. Trank oft alleine eine volle Apfelkornflasche zu ende und schämte mich dessen bitterlich, weil andere den Mut nicht fanden, sich der Gesellschaft abzuheben und es mir gleich zu machen. Mir war damals nach Fäuste gegen kahle Wände und das Blut sehen. Die aufgedunsenen Knöchel, die sich wie gefüllte Sandsäckchen anfühlten. Mir war nach Zerstören. Immer nur kaputt machen, was andere hatten. Manchmal fand ich jemanden, der einsam war wie ich und man die Einsamkeit nicht teilte, sondern sie zu verdoppeln wusste. Dann warf man zusammen große Steine auf liegengebliebene Autos. Plötzlich. All die Wut. All die Steine und das gieren nach mehr. Den Seitenspiegel zu erst und darauf folgte dumpfes Lachen über den Mut, den man plötzlich hatte. Dann gingen die Scheinwerfer durch mehrere Versuche zu Bruch. Wir steigerten uns und fühlten uns wie Bergsteiger, die mit jedem sicheren Griff in die undankbar scharfen Kanten des Felses erneut sicheren Halt fanden. Dann kamen die Seitenscheiben. Am Ende die Front- und Rückscheibe. Wir verloren uns im Glück des Rausches. Des Zerstörens und waren glücklich.

Und doch hielt ich mich brav fern von allem. Von all den Gruppen, die irgendetwas kanalisieren mussten. Die zu gehemmt für das Weinen in Selbsthilfegruppen waren, oder es dort bereits taten, also das weinen, es ihnen aber nicht die Befreiung gab, als gegnerischen Fans das Hirn neu umzustrukturieren. Gequirlte Scheiße, die sich untereinander pürierte. Eigentlich war es nicht einmal Schade darum gewesen, wenn solche Menschen sich mit Flaschen und Schlagstöcken trafen. Wenn diese vorher in Stadien bengalische Feuer in kleine Gruppen aus Kindern warfen und nicht darüber nachdachten, dass brennendes Magnesium Haut schmelzen ließ wie ein Herd auf 250° ein Stück Butter, welches sich darin verirrt hatte. Einer meiner Freunde, auch wenn ich es ihm schwer abkaufen konnte, ließ oft verlauten, dass die Menschheit den Untergang der Welt durchaus verdient hätte. Ob es eigene Resignation oder Überheblichkeit war, wusste ich nicht. Jedoch hatte er mich mit dieser Aussage durchaus überrascht. Positiv überrascht. Denn wenn ich diese hässlichen und unausstehlichen Fratzen aus Fußball-Hardcore Fans sah, ermunterte mich kein Gedanke mehr als der, in einem Inferno aus kochendem Vulkangestein, das mit unsäglicher Geschwindigkeit durch die Luft geschleudert, ihre aufgeblähten Körper und alles von ihnen, ihre ganze beschissene Einstellung zur Welt, zu sich und allem anderen, zerfetzt zu wissen. Und mich anschließend mit.

Ich war kein Misanthrop gewesen. Mir war auch nicht wütend auf die Menschheit. Misanthrop zu sein bedeutete, aufgegeben zu haben und es sich jetzt nur einfach machen zu wollen. Es ist leicht zu hassen. Aber schwer, das hassende weiter zu ertragen. Zu beobachten und auszuhalten. Stillschweigend. All dieses grölende Gesocks, dass wie unfruchtbares Sperma durch die Straßen drang und augenscheinlich keinerlei Funktion inne hatte. Und generell war mir Hass immer fern gewesen. ich glaube, dass ich in meinem Leben nie wirklich gehasst hatte. Ich wüsste auch gar nicht, wie sich das anfühlt. Ich denke, dass es ein Mischmasch aus Frustration, Enttäuschung, Angst und einem verfehltem Fick gewesen sein musste. Die Enttäuschung, die man über sich selbst ausschüttete, als man sich doch wieder in einen Club zwängte und glaubte, heute Abend jede Frau aufzureißen, die geil aussieht. Um dann am Ende kein Wort gesprochen und sich nur wieder stillschweigend besoffen zu haben. Abtorkeln. Nach hause. Allein ins Bett und das Wichsen nach 20 schweißtreibenden Minuten mit einem krampfenden Arm sein zu lassen. 

Mir war generell alles zu fremd geworden. Das es mit den Frauen generell nicht klappte mündet derzeit in einer tiefliegenden Depression. Eine Ernüchterung, die ich nur schwer ertragen, aber doch hinnehmen konnte. In all den Selbsthilfegruppen, den Therapien und der Klinik war keine Marla Singer gewesen. Und in all den Gruppen aus Fußballfans, Antifa und Tierschützern fand ich auch nie eine geeignete Aufgabe für mich. Auch, weil ich größere Gesellschaften prinzipiell abzulehnen wusste. Vielleicht lag in dieser Welt keine Aufgabe für mich bereit außer jene, die ich mir selbst machte. Die Miete zu zahlen, irgendetwas zu essen haben. Und noch genug Geld haben, um all das Elend an Leben begießen zu können. Allein, aber ohne Scham wie früher. Ohne Gedanken darüber, dass es falsch sein musste. Wenigstens gab es eine Weiterentwicklung in mir, die ich nun erkennen konnte. Den Mut zu scheitern. Den Mut, es erst gar nicht zu probieren. Den Mut, zwischen all den Geistern in mir zu keinem merkenswerten Ergebnis zu kommen. Den Mut, in der Vergangenheit leben zu wollen, wo doch alles so beschissen, aber irgendwie noch nicht so sinnlos gewesen war. Ich sehnte mich ein wenig nach dem Blut an meinen Knöcheln. Dem jugendlichem Leichtsinn, es einfach zu tun, egal wie schmerzhaft und doch befriedigend es gewesen war. Mir war bewusst, dass ich einen Lebensweg gegangen war, an deren Ende kein anderer Mensch außer ich stehen konnte und ich für immer einsam, aber nicht allein bleiben würde. 

Gedankenraedchen

Ich beobachte und vielleicht, wenn ich zwischen Nüchternheit und völligem Delirium schwankte, schrieb ich es auch gelegentlich unverfroren auf.

Unter dem Radar hindurch weg leben. Es war kein Hobby oder irgendeine Art von verkrampftem Sport von mir gewesen. Es war so und blieb. Nicht, dass ich die Bühne nicht suchen würde, manchmal fand und dabei keinerlei Enttäuschungen widerfuhr. Und doch verbleibt das Leben nebenher. Auf den dunklen Seitenstraßen. Auf den Schleichwegen und irgendwie kommt nichts voran. Denn nichts Entsteht im Vornherein und wenn, ist es nur ausgeschmücktes Gedankenwerk. 

Ich verstand diese Welt nicht mehr. Dabei war ich drauf und dran es wenigstens ein wenig zu verstehen. Die selbe Sprache zu sprechen und zu schreiben, doch blieb ich in einer Pose des missverständnis ausdrückendem Kopfschütteln davor stehen und warf das Handtuch entrüstet auf die blanke Fläche. Das es darüber kein größeres Erstaunen gab lag wohl daran, dass alles nur hinter den Kulissen geschah. Still und heimlich. 

In meiner Brust pochten zwei Seelen und bekämpften sich lieber rigoros selbst als sich zu verbünden, um jedem und alles den Mittelfinger zu zeigen. Gespielte Arroganz mit Niveau quasi. Das auch von unten, oder irgendwelchen anderen Perspektiven eben genau danach aussah. Fickt euch alle, dachte es in mir. Aber zuerst ficke ich mich selbst, schrieb ich auf. Vielleicht war es auch gar nicht mehr wichtig, die Welt und ihre komplexen Zusammenhänge zu verstehen. Mir kam kein Gedanke des Nutzens dafür auf. Selbst verstünde ich die Welt, würde ich doch noch eher an ihr verzweifeln. Und Verzweiflung treibt zu Missetaten. Impulsiv unbedachtes Handeln und folglich wohl die Zerstörung der gesamten Welt. Wäre ich Gott, ich hätte wenigstens versucht mir das Hirn weg zu pusten. 

Es wird oft debattiert, wer Gott wäre, wäre er quasi. Am Ende ist und bleibt es jedoch besser, sich selbst von dieser Thematik zu entbinden und jeden selbst seine Erklärung zur Welt finden zu lassen. Denn inständig kreiert sich die Welt auch nur in meinem Kopf und da sieht sie teilweise doch herrlich beschissen aus. Absolut fehlprogrammiert. Bemüht im unbemüht sein, so quillt die Welt in mir aus allen halbfertig gebauten Löchern und stöhnt bei jeder qualvollen Bewegung nur laut auf. Es wäre zum lachen, über käme mir dabei nicht der pure Ekel. Und wie immer Satre es sah, ich hab nur ein paar Seiten seines Werkes geschafft, es kotzt mich bereits alles an. Mag wohl auch der Plan gewesen sein. Der Ekel. Das alles. Irgendwie. Es stöhnt und ich muss mich erbrechen. 

Beobachte ich die Welt, dann weiß ich meist nicht wo ich da genau stehe. Welchen Zweck ich erfülle und womit ich überhaupt was befüllen sollte. Cliché-Olé mäßig käme der Gedanke, sich solange zu betrinken, bis einem beim Licht aufgehen die Glühbirnen abhanden kommen und es keine Chance mehr zu auch nur irgendeiner Erleuchtung gibt. Sofern sowas wie Erleuchtung nicht schlichtweg eine weitere Erfindung ist, um dieses Leben auch nur irgendwie zu überdauern. Es hinter sich zu bringen. Tag ein Tag aus führt dich das Dilemma der Sinnlosigkeit an der Hand und stellt dich irgendwo wartend ab. Bis es dir zu viel wird und du wieder nach hause willst. Dann quengelst und deine kleinen Augen ganz aufgedunsen und rot sind vom ganzen Salz der Tränen sind. 

Mir kommt der Überdruss. Im selben Gedankenrädchen befangen, entwickelt sich das Leben nur erschreckend mühselig. Ja, es geschieht. Irgendwie. Wie genau, keine Ahnung. Wann genau, keine Ahnung. Das Achselzucken, Symbol erträglich gewordener Resignation im Streitwagen der Entwürdigung. Mir ist lachhaft geworden. Alt und grimmiger. Wenn also nichts bestehen bleibt, dann erwächst sich der Zynismus aus all der unverblümten Enttäuschung. Das letzte Stück Rüstung einer entgegenwirkenden Entwicklung des Alterns und Weiser werdens. Denn am Ende frohlockt keine eindeutige Erkenntnis über die Dinge, sondern die Dinge formen sich am Grad der Uneinsichtigkeit. Ich werde mit Nichts sterben, weil ich mit Nichts hier her gekommen bin. Ein bisschen Achterbahn des Lebens und am Ende kotzen vor Schwindel und Übelkeit. Die 2 Mark für die Fahrt. Was macht das schon um zu wissen, das einem Achterbahn fahren gar nicht so richtig taugt. Und dann kam die Einsicht und sie wird bleiben. Bis an mein Lebensende und ich hätte doch noch so viele anderen Achterbahnen ausprobieren können, in denen mir nicht das blanke Kotzen und die Panik in den Augen gekommen wäre. 

Was bleibt, sind Fragmente und Ruinen eines nicht ausgefüllten Lebens, dass bei jedem Atemzug eine erneute Berechtigung zur Existenz erhielt. Ich kenne den Sinn des Lebens nicht und ich glaube er ist ein riesiges Arschloch. Völlig verzogen und eingebildet. Ein Tollpatsch und Nichtskönner und bläht sich auf an dem Grad der Bedeutung, dem wir ihm zu kommen lassen, voreingenommen auf. Und verschmäht sind jene, die sich einen feuchten Dreck um ihn scheren und einfach nur alles schnell hinter sich bringen wollen. Das sind ihm die undankbaren Tölpel. Und er lässt sie die Kränkung in allen Ausführungen und Extras spüren. Und dann stehe ich bereit, um keinen Fick zu geben. Mit meinem mageren Mittelfinger ihm beinahe schon in der Nase zu pulen und mein trostloses Leben so lang zu feiern, wie der Körper und Geist es zulassen mögen. Wenn die Tristes sich bitten lässt, dann sei kein verkrampfter Vollpfosten, sondern Tanz mit ihr. Denn es wird angenehmer sein, als neidisch auf jene zu blicken, die im vollem Gange mit ihr sind. Untervöglung ist halt auch keine Lösung. 


omegle

"m oder w?" 
Escape,
"21m.."
Escape.
"m o w?"
Escape.

Die gefühlt fünf Mal von einer Waschmaschine behandelte Mischung billig Rum mit noch billigerem Cola-Mix spült mir das letzte Gespür für Zwischenmenschlichkeit den Rachen hinunter. Bleibt dann in einem Trakt aus verzweigten Gängen hängen und brennt seicht wieder den Hals hinauf. Sackgasse. Vollkommen. Du fällst ungewollt durch die Welt. Mitten darunter. Und du siehst, wie die Strukturen sich über dir erst zu Türmen hinaufwerfen um dann, im Fall, immer kleiner und unbedeutender werden. Ich höre den Wind an meinen Ohren vorbei pfeifen. Und die Sonne, die an keinem Horizont mehr grenzt, streift an meinen mager werdenden Körper entlang. Da ist nichts, außer dem Kunstlicht. Dem nicht dagewesenem, hätte sich nicht jemand erbarmt es zu konstruieren und hier her zu platzieren. Ich war die lebende Plastik. Ein ungewolltes Kunstwerk und nun war ich da, um betrachtet zu werden. Ich war nackt, aber niemand konnte es sehen.

" 25m nur kik und skype."
Escape.
"15m nur kik."
"wtf. ist kik?"
"Eine App"
"Danke."
Escape.

Ich fühlte mich allein. Nicht einsam, sondern wirklich allein. Ich war zwischen all dem. Alles passierte jetzt. Ich konnte es lesen, ich konnte meinen Browser erneuern und erleben, dass die Welt vibrierte, tanzte, tobte, starb und sich wieder aus dem Grab erhob. Immer wieder. Es starben Menschen und ich wusste davon, nahm aber keinerlei Anteil. Es waren Zahlen geworden. Es waren immer auch Deutsche darunter gewesen. Und trotz aller Verlinkungen fühlte ich keinerlei Verbindung. Kinder sterben. Verlieren ihre Eltern. Fressen sich gegenseitig auf. Ich weiß es nicht. Ich habe wohl bereits alles gesehen.

"Willst du ficken, bin m?!"
"Ja."
Escape.
"Wie funktioniert ficken?"
"Ernsthaft?"
"Ja!"
"Soll ich dir die Frage gerade allen ernstes erklären? Ich mein, wirklich, hier?"
"Ja, ich will wissen wie."
"Wie alt bist du?"
"19"
"Ernsthaft. Du verarschst mich"
"Ich meins ernst"
"Du bist bei omegle und fragst hier irgendwen, wie Sex geht?"
"Ja, sag mir, bitte! Ich weiß es nicht. Ich will es wissen. Bitte."
Escape

Mein Dasein hat sich zu einer einzigen kleinen Zelle zusammen gefunden. Ich bin einer von vielen. Aber weil ich zu den Vielen gehöre, war ich ein höheres Individuum geworden. Ich war mobil, ich war viele. Ich war vielleicht anonymous, wenn ich Lust hatte. Oder ich war irgendwer anders. Aber ich war. Ich bin. Also, jetzt gerade. Es war egal geworden, wer ich war. Hier konnte ich sein. Egal in welcher Form. Egal welches Geschlecht, welche Vorlieben, welche Perversitäten mich hier her führten. Welche Wünsche ich hatte, welche Bedürfnisse ich zu befriedigen versuchte. Ich kam hier her und war. Ich war ein Stück Bewusstsein geworden, dass innerhalb der vorhandenen Masse nichts mehr ausmachte. Ich war nicht mehr Individuell, ich war angepasst. 

"Hey"
"User left the conversation"
Escape.
"Hey"
"Hey"
"User left the conversation"
Escape.
"Hurensohn"
"User left the conversation"

In all dem, fand ich mich wieder. Und doch blieb ich blind für die Gefühle anderer. Es wurde austauschbar und zum Ersetzen verurteilt. Es war egal, mit wem ich schrieb. Manchmal konnte ich zwischen einem realem Chat und dem Chat mit einem Bot nicht mehr unterscheiden. Manchmal war mir der Bot menschlich näher, als meine menschlichen Teilnehmer. Ich verstand mich in etwas, das mich nicht verstehen konnte. Etwas, das abstraktes nicht verstand, aber dennoch antworten konnte. Unkontrolliert und doch blieb es so real. Es war kein schweigen, schrieb ich mit einer Maschine. Die Maschine antwortete, egal ob ich gerade “Pfannkuchen” oder “Im Dasein des Lebens erhebt sich das Verständnis letztendlich aus konstruierter Unfähigkeit, denkst du nicht auch?” schrieb. Es gab antworten. Neue Punkte, an denen ich anknüpfen konnte. Es gab keine peinliche Verschwiegenheit. Ich musste mir keine Gedanken mehr darum machen, ob ich jemanden verletzte. Es gab auf der Seite einer Maschine keine Bedürfnisse mehr. Es gab nur noch mich und etwas, das reagierte. Und es war ungewöhnlich schön. Denn hier konnte ich laut denken.

"M o W?"
"Junge, geh mal raus, lern mal jemanden kennen."
Escape.
"Nur ficken, 21m aus NRW"
"Nur Reden, zahle auch."
Escape
"Hey
Escape
Escape
Escape
Escape
Escape

Mein Körper brannte, und gab daher der Realität eine raumfüllende Kontur, die atmete und Stoffe umwandelte. Die ich spüren und wahrnehmen konnte. Atome neu strukturierte. In dem eine DNA neu geschrieben und ersetzt wurde. STRG+C, STRG+V. Hier und da. Immer wieder neu schreiben und platzieren. Unter meiner Haut befanden sich einsen und nullen. Und sie schrieben den Code, dass ich existieren konnte. Kaum leserlich gaben sie Befehle. Tag ein und Tag aus. Ich atmete, und es war geschrieben. Es stand dort, dass es so sein wird. Der Code stand fest und gab befehle. Compiler. Und ich war alleine, aber jemand befahl. Das ich am Leben bleibe. Das ich hier bin und mit all den Codes nun schrieb. In einem Chat, der nur aus fremden bestand. Und ich schrieb. Aber war am Ende wieder allein.

Raufaser

Die Raufasertapete ist eine taktile Erinnerung an grobkörnigen Konturen. Ungeordnete Pigmente erstrecken ihr Spektrum in die Ferne des kleinwüchsigen Raumes. Zwischen fallenden Linien der ungeordnet wirkenden Ausbauten wirft sich der Schatten schlacksig um ihren stark verkümmerten Hals und entfernt sich zugleich nebulös in das Weiß hinein. Grauer Farbverlauf ohne weiteres Ziel, als nur minder zu werden. Immanent bleibt ihnen der Selbstverbrauch in ihrem eigen geltenden Moment. Das fließende, hinabfallende vergnügt sich in den Gegenden des Stetigen.

Bleibenden.

Ein Reiz eskaliert dahin hinein tauchen zu wollen. Tiefer als alles zuvor dem eigentlichem zu kommen. Zwischen den Spalten verharren, die durch die Bedeutungen umher taumeln. Eine unbeachtete Symbolik, die sich in die Peripherie des nie begreiflichen zu erstrecken versucht und doch zugleich verschließt sich dessen Offensichtlichkeit hinter einer schüchternen Nichtigkeit. Generierte Zufälligkeit, die aus den Unorten meiner greifbaren Kompetenz ersteigt, erstreckt sich eskapistisch der Verschmelzung von Allem und Nichts entgegen. Verrinnen in das Zeitliche. Es steigt in mir auf.

Ich gehe. 

Alles vorbei, wenn das Licht angeht.

Könnte ich nur ein weiteres Mal das Momentum atmen. Die Poren bis zum Zerreisen angespannt. Die kleine Perlen, aus salzigem, abtrünnig gewordenem Wasser auf meiner Haut spüren, die den tosendem Körper hinab strömen. Nur noch einmal alles zweimal sehen. Den perfekten Moment. Diese Wegwerfkamera-Foto Augenblicke. Wenn die viel zu kleinen Pupillen der ausradierten Augen im Blitzlicht aufglühen und abfärben. Im letzten Blick noch einmal alles mitnehmen. Festhalten.

Den letzten Tanz ein zweites Mal vollführen. In den Armen einer Fremden. Küssende Münder. Zwei Menschen, die bereit waren gegen alles aufzubegehren. Bereit, die letzten Festungen des schlummernden Verstandes ein für alle mal einzunehmen, um am Ende mit wehenden Fahnen der tosenden Masse entgegen zu treten. Alles vibriert. Und ich stehe noch da, als das letzte Klatschen der bunten Meute langsam durch mein Gehörgang wanderte. Mit gehobenen Fäusten und zerrissenen Fahnen, auf denen ‘Freiheit für immer’ geschrieben stand.

In kleinen Räumen und Hallen, spielen wir unsere Rollen perfekt. Manch einer bleibt Statist, der andere ganz hinter den Bühnen verschwunden. Doch so mancher zeigt plötzlich Kern. Wir feiern, um zu sein, weil wir anders nicht wissen, wie es geht. Im Beruf, im Studium, in den Schulen. Ja, auch hier passen wir uns an. Doch passen wir uns hier am Besten. Würde es in diesem Land Revolutionen geben, sie fänden nicht zuerst auf den Straßen oder im Internet statt, sondern in den abgedroschenen, abgewaschenen Clubs. Im hinterstem Winkel der Stadt, würden wir die Musik unseres Lebens auf die Straßen tragen. 

Und doch, ist alles vorbei, wenn das Licht angeht. Wenn die ausradierten Augenhöhlen schmerzen, vom viel zu grellem Licht der Neonröhren. Wenn kein Alkohol mehr fließt. Die letzte Runde bereits vorbei. Dann lösen wir uns und gehen wieder der alltäglich getrennten Wege. Vorbei an jenen, die sich doch so sehr gefeiert hatten. Moderne Fight Clubs, über die wir nie wieder sprechen. Doch finden sie wieder und wieder statt. Und statt blauer Augen, tragen wir verblasste Stempel auf unseren Händen. Und treffe ich dich am nächsten Tag, so sehe ich dein Denkmal, das wir uns für diese Nacht gesetzt hatten und nicke dir vielleicht nur zu. Aber darüber reden, das werden wir nie. 

Taumeln

Meine Arme taumeln über beide Ohren hinaus.
Wenn ich dich nehme, dann übernimmst du mich.
Kontrolle abwegig.
Im Sturz mit dem Kopf voraus, denn du schützt mich. 
Und all die blutigen Spuren,
wenn du mich loslässt,
waren nie von dir.

Bau meine Mauern wieder auf,
heute bin ich in meinem Elend der Erhabende.
Alles im Griff, wenn ich dich habe.
Lässt dich eifrig über mich aus.
Und ich lache darüber.

Ohne dich bleibt der Himmel grau.
Mit dir ist es das Selbe.
Nur das ich es nicht mehr sehe.
Weißer Schaum, extrahiert.
Lasse dich fallen und alles ist vorbei.

Im Schwindel deiner Worte.
Verköstige ich alles,
was du mir zum Fraße vorwirfst.
Bist Tochter die tanzt,
nach der ich so benommen bin.

Der Pendler.

Wander nur noch von Stadt zu Stadt.
Ankommen, um niemals anzukommen.
Das Eigentliche nur ein blick weit entfernt.
Und doch getrennt von der Fensterscheibe des Zuges.
Eine Griffweite vom verfehltem Glück.
Doch die Hand ist taub vom arbeiten.

Aufstehen, um wach zu bleiben.
Wach bleiben, um wieder aufzustehen.

Der Blick treibt durch die Parzellen,
der letzten Häuser am Stadtrand.
Ein Stakkato der Straßen im Fluchtpunkt.
Weiter ziehen, weiter gehen.
Keine Zeit hier anzuhalten.
Der Zug auf dem Weg zum Ziel.

Ankommen, um da zu sein. 
Da sein, um endlich anzukommen.

Der Bahnsteig wird zum zuhause. 
Warten auf das Abfahrtsignal.
Sitzend weiter bewegen.
Die Seiten der Bücher waren noch dick gestapelt,
und sind vor dem Ausstieg ausgefranzt und zum Ende hin
dünn gewordene Geschichten.

Male mit dem Finger in den Dunst der Scheibe.
Ein Zeichen setzen, bis zur nächsten Abfahrt.

Wenn ich dich atmen höre.

Zwei Leben davon entfernt, endlich im Glück zu schwimmen. 
Endlose Straße, vom Morse-Code des Mittelstreifens in unendliche Fragmente unterteilt. 
Auf der einen Seite, verbiegen sich spitze und schräge Zacken im Wind.
Das Meer, auf der anderen Seite, zerfließt in sanften Wogen.
Schaum formt Figuren auf zerfallender Oberfläche.
Das Korn des Sandes verwischt. 

In den Fernen kann ich deine Schritte sehen.
Sehe, wie dein Schatten hinter der Sonne verschwindet.
Fährten führen in den Regen,
die die letzten Spuren stehlen.
Wenn ich dich atmen höre, dann hört mein Herz auf zu schlagen.

In sanften Wogen zerfloss das Meer in meinen Armen. 
Die Zacken waren abgetragen, waren kahl bis auf den letzten Blick.
Die Kälte sog sich fest und ließ nicht mehr los.
Gänsehaut betäubte meinen Körper. 
Wo ich stand, war kein Boden mehr.

In den Fernen konnte ich deine Schritte sehen.
Ein Schatten, der hinter der Sonne verschwand.
Fährten führen ins Nichts,
weil der Regen nicht mehr fiel.
Wenn ich dich atmen höre.